SZ am 16.01.2015 - Durchbruch nach 15 Jahren

 

Die Sanierung der Grundschule Wurgwitz lässt Schulleitung und Eltern jubeln. Doch weitere Fragen bleiben offen.

15.01.2015 Von Jane Jannke

So schick wird unsere Schule: Birgit Töpolt (links), Markus Kunze und Schulleiterin Kerstin Möller mit den Bauplänen.
Foto: Dirk Zschiedrich

Dass sie das noch erleben darf … So manches Mal in den letzten Jahren wäre Schulleiterin Kerstin Möller fast vom Glauben abgefallen.

Um ein Haar wäre auch 2014 gänzlich in unruhigem Warten auf die dringend nötige Sanierung der Grundschule Wurgwitz verstrichen. Fördermittel ließen auf sich warten. Doch dann flatterte zwischen Gänsebraten und Neujahrssekt doch noch die erlösende Nachricht herein: Fast drei Millionen Euro stellt der Freistaat, die Sanierung kann kommen.

„Endlich!“, seufzt Kerstin Möller erleichtert. Seit sie im Jahr 2005 die Schulleitung in Wurgwitz übernommen hatte, hatte sie gemeinsam mit Förderverein und Elternrat für ein Ende der desolaten Zustände gekämpft. Schon zu Zeiten ihrer Vorgängerin Ursula Bohn lagen Baupläne für den maroden Plattenbau vom Typ „Dresden“, Baujahr 1982, vor. „Sie hatte immer gehofft, dass alles ausgestanden sei, wenn sie einmal aufhört“, erinnert sich die 50-jährige Pädagogin. Es blieb ein Wunsch.

Doch die Chronik des Ringens reicht länger zurück. Schon als Elternratschef Markus Kunze noch selbst an der Quäne zur Schule ging, lagen die Mängel auf der Hand. Das war 1990. Schon damals regnete es durch die Fenster rein. Inzwischen hat er selbst zwei Kinder im schulpflichtigen Alter, das jüngste lernt in Wurgwitz. So wie auch die vier Töchter von Dr. Birgit Töpolt, die im Vorstand des Fördervereins aktiv ist. Sie alle gingen hier zur Schule, die jüngste besucht die zweite Klasse. Auch sie werde das sanierte Gebäude damit wohl nicht mehr erleben, bedauert die Mutter.

Auf die Idee, die Kinder auf eine andere, modernere Schule zu schicken, wären beide dennoch nie gekommen. „Sie sollten in der Nähe zur Schule gehen. Und der Ort braucht diese Schule und damit die Schüler“, erklärt Töpolt. Auch das hervorragende schulische Angebot sei ein Argument gewesen. „Hier funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Hort beispielhaft“, ergänzt Markus Kunze.

Die Hoffnung auf die Sanierung hat in all den Jahren niemand aufgegeben. Kleine Meilensteine seien Ansporn gewesen, durchzuhalten, sagt Kerstin Möller. So waren bereits Ende der 1990er-Jahre der Außenbereich neu gestaltet und 2011/12 Dach, Fenster und Innenleben der Turnhalle auf Vordermann gebracht worden. Doch an der Schule selbst wird die Mängelliste täglich länger. Ein Rundgang durchs Haus lässt tief blicken: Bröckelnder Putz, ein düsterer Speiseraum, durch den Heizungs- und Wasserrohre laufen, brüchige Treppen und marode Klos. Viele Fenster, inzwischen halbblind, sind vernagelt. „Im Sommer wird es in den oberen Etagen unerträglich heiß“, berichtet Möller. Im Winter brüllen die Heizungen, damit die Kinder aufgrund der fehlenden Dämmung nicht frieren. Über die Heizkosten will sie gar nicht reden. Mit der Sanierung soll all das ein Ende haben. Zwar muss die Grundschule dann einigen Platz an die neue Kita abtreten, die im rechten Gebäudeflügel entstehen und 60 Kindergarten- und 24 Krippenkindern Platz bieten soll. Doch dafür bekommen die Schüler endlich vernünftige Toiletten, und auch der Speiseraum wird durch die angedachte Verlegung ins Erdgeschoss vom dunklen Kellerverlies zur lichtdurchfluteten Mensa mit Terrasse. 8,7 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt, 5,8 Millionen Euro trägt die Stadt Freital.

Doch dem Eintritt in den siebten Schulhimmel ist ein langer Weg vorgelagert, der einiges abverlangen wird. Je nachdem, ob im laufenden Betrieb saniert wird oder die Schule auszieht, dauert die Sanierung eineinhalb bis drei Jahre. Bislang ist die Antwort auf diese Frage völlig unklar. „Eine Sanierung während des Schulbetriebes wäre ungünstig, weil die Schüler unter Lärm und Schmutz zu leiden hätten und die Bauzeit sich dadurch verlängerte“, argumentiert Kerstin Möller. Ihr und auch den Eltern wäre eine Containerlösung oder ein Ausweichquartier lieber. Doch Container sind teuer, bis zu 500 000 Euro für acht Stück stehen im Raum, die allerdings nicht reichen würden. Die Schule benötigte mindestens zwölf, um auch die Schulprojekte unterzubringen. Ausweichquartiere wiederum gibt es kaum. „Eventuell wäre eine Auslagerung in die alte Schillerschule denkbar“, wälzt die Schulleiterin Pläne. Aber die gehört dem Landkreis und soll irgendwann abgerissen werden. Heute Abend ab 18 Uhr wird Kerstin Möller aber zunächst gemeinsam mit Eltern, Lehrern und Unterstützern den mühsam erkämpften Erfolg feiern. Zum traditionellen Neujahrskonzert in der Schulturnhalle hat sie auch Vertreter der Stadt eingeladen.


„Ich hoffe sehr, dass man uns die Ehre erweist, dann wäre auch Zeit für Gespräche.“ Und für ein Gläschen Sekt.

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